Zuchttechniken

 

"Ich Züchte nur mit Blutsfremden Tieren, denn Inzucht ist schädlich"... so, oder so ähnlich lautet meist ein Satz von unwissenden Vermehrern. Es wird ständig fremdes Blut in eine Linie eingekreuzt und somit unbekannte Krankheiten und Gene weit verstreut. Aber was ist eine Linie? Und warum nimmt man bewusst Inzucht in Kauf?

Das möchte ich euch hier etwas näher bringen :)

 

Die Zuchtmethoden



Linienzucht, Inzestzucht oder doch Merkmalszucht?

Schauen wir uns diese Begriffe näher an:


Inzest
bezeichnet die Verpaarung engster Verwandter, also Mutter mit Sohn, Vater mit Tochter oder auch Geschwister untereinander. Sie ermöglicht ein bestimmtes Merkmal direkt zu festigen oder auch zu eliminieren. 
 
Inzucht 

Unter Inzucht versteht man die Verpaarung relativ naher Verwandter. Sie führt dazu das immer mehr Merkmale Reinerbig werden, also in beiden Chromosomensätzen gleich vorhanden sind. Mit jeder Inzucht Generation nimmt die Mischerbigkeit ab und die Zuchtergebnisse werden immer vorhersehbarer.  Durch die Reinerbigkeit bringen sie in der Regel weniger Überraschungen. Das Ziel der Inzucht ist es, die Qualität genetisch so zu festigen , dass sie sicher an ihre Nachkommen weiter gegeben werden kann. 

 

Linienzucht

Die Linienzucht ist im Grunde nichts anderes als eine Inzucht. Allerdings mit dem Unterscheid das immer wieder auf Verwandte zurück gegriffen wird um in einer Linie damit weiter zuzüchten. Der Selektionsdruck kann je nach Verwandtschaftsgrad relativ hoch sein. Was das ausmerzen von ungewünschten Gendefekten erheblich vereinfacht. Der Züchter erreicht seine gesteckten Ziele relativ schnell und festigt bestimmte Merkmale innerhalb seiner Zucht

 

Merkmalszucht 

Merkmalszucht wird auch Fremdzucht oder Mischlingszucht genannt und sie ist eine Verpaarung von nicht miteinander Verwandten Tieren.
Diese Zucht stellt eine Selektion nach bestimmten Merkmalen im Phänotyp dar und eine Annahme von Wahrscheinlichkeiten, die erst durch die Nachkommen zum Vorschein kommen. Fremdzucht erhählt die Mischerbigkeit, bringt aber nur geringe Zuchtfortschritte und der Züchter wird sehr lange brauchen, wenn es ihm überhaupt gelingt sein Ziel zu erreichen. Zudem streut man unerwünschte bzw unbekannte Gene doch relativ weit.

 

Ausgleichszucht

Sie ist die Negativ Form der Merkmalszucht.  Man verpaart eine Rättin mit Negativ Merkmalen mit einem Bock der diese Merkmale positiv besitzt und erhofft sich so einen Ausgleich der negativen Merkmale. 

 

Wenn man nun genau aufgepasst hat, stellt man fest das Linienzucht und Inzucht das gleiche bedeuten. Lediglich der Inzuchtskoeffizienten (IK) und der Ahnenverlustkoeffizient (AKV) sagen uns, wie eng die Tiere gezüchtet wurden. Aber Inzucht ist keine Inzestzucht!

Als Hobbyzüchter sollte man sich aber auch im Klaren sein, dass es sich hier um Tiere handelt, bei denen unsere Moralvorstellungen in Bezug auf Inzucht nicht anwendbar sind. Beim Menschen und auch vielen anderen Arten führt Inzucht schon in geringem Maß zum Auftreten von Schäden durch Lethalfaktoren, Erbkrankheiten oder rezessive Negativgene. Es ist daher völlig unangebracht die Tiere zu vermenschlichen und die zugrunde liegende Genetik und Physiologie der Art zu ignorieren.

Outcross - also doch Fremdblut?

Outcross bezeichnet vereinfacht das zusammenbringen zweier gefestigten Linien. Grund kann sein, ein bestimmtes Merkmal der anderen Linie in seine einfliesen zu lassen, in der Hoffnung es besser zu machen.
Man kann sich so aber auch ganz schnell seine Linie ruinieren, da man zu 50% aus seiner Linie raus geht. Ist diese Verpaarung erfolgreich gelungen, heißt es wieder in die eigene Linie zurück zu kehren um dieses Merkmal zu festigen. Niemals sollte man mehrere Outcross durchführen. Es bedeutet das Aus seiner eigenen Linie.
Um seine Zuchtziele zu verwirklichen gehört eine gut durchdachte Linienzucht und auch eine gnadenlose Selektion ohne Kompromisse dazu.

Aber Inzucht macht krank!

Viele Vermehrer folgen dem Irrglauben, nur durch Fremdblut gesunde und vitale Nachzuchten zu bekommen. Oft geht dieser Irrglaube einher, Inzucht verursache Schäden. Das sollte man bitte nicht verteufeln!
Inzucht deckt tatsächlich schon im Bestand vorhandene rezessive Gene auf und man kann mit relativ wenigen Generationen unerwünschte Defekte aus der Linie ausschließen.  Ohne vernünftige Inzucht kann ein rezessives Gen schon soweit verstreut worden sein ehe es das erste mal zum tragen kommt. Und dann zurückzuverfolgen wo es seinen Ursprung hat, ist schier unmöglich. So bildet jede Art eine eigene Inzucht- Subpopulation mit einem hohen Grad an Reinerbigkeit. Ein gutes beispiel sind die Harleys. Alle Weltweit bekannten Harleys stammen aus EINEM Tier ab das damals die Mutation zum Langhaar hatte. 
Problematisch wird Inzucht erst dann, wenn der Züchter bei der Selektion nicht auf die Gesundheit achtet. In der freien Natur würden auch nur die stärksten überleben und genau diese Selektion liegt in der Verantwortung des Züchters.