Granivor - wie viel von was?

Jeder kennt den Hinweis "Ratten brauchen täglich Frischfutter", das dem nicht so ist und zuviel Frischfutter auch schädlich sein kann, versuche ich euch anhand dieses Artikels näher zu bringen. 

Aber bevor wir loslegen, müssen wir zwei drei Grundlegende Dinge über die Verstoffwechselung und die Nährwerte klären.

Unsere Nahrung unterteilt sich in diverse Nährstoffe. 

  • Kohlenhydrate
  • Proteine
  • Fette
  • Ballaststoffe
  • Vitamine
  • Mineralstoffe
  • Spurenelemente

und auch Wasser zählt dazu.
Da die Behandlung von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelemente viel zu sehr ins Detail geht und es eine Wissenschaft für sich ist, möchte ich euch die vier ersten Punkte näher bringen.
Hier eine kurze Erläuterung, um was es sich da eigentlich handelt:

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate könnte man auch als Zucker bezeichnen. Damit sind sie der wichtigste Energielieferant für unsere Tiere. Aber auch ein Zuviel kann schädlich werden, wenn der Körper mehr Zucker bekommt, wie er ursprünglich verarbeiten kann.

Proteine

Proteine oder auch Eiweiße bestehen aus wichtigen Aminosäuren die der Körper für alle wichtigen Vorgänge benötigt.
Sei es zur Zellen Herstellung oder auch für den Hormonhaushalt.

Fette

Zu den Grundlegenden Nährstoffen, neben Kohlenhydraten und Proteine, gehören die Fette.
Fette dienen auch als wichtiger Geschmacksträger und lösen wichtige Vitamine, die nur durch Fett verwertet werden können. Zudem liefert Fett fast den doppelten Brennwert wie Kohlenhydrate und Proteine.


Eiweiß


Eiweiß oder auch Proteine sind Stickstoff-haltige Nährstoffe, die aus Aminosäuren aufgebaut sind. Es gibt neun essenzielle Aminosäuren, die für den Aufbau von Eiweiß herangezogen werden. Diese proteinogene Aminosäuren können vom Körper nicht selbstständig hergestellt werden und müssen von außen zugeführt werden.
Es gibt auch semiessenzielle Aminosäuren, die der Körper im Wachstum benötigt, später aber nur noch bedingt bis gar nicht mehr.

Sehr interessant für Züchter, die das bestmögliche für Ihre Welpen wollen.

Proteinogene Aminosäuren (21)
essenzielle
Aminosäuren
Valin, Leucin, Isoleucin, Methionin,
Phenylalanin, Tryptophan,
Threonin, Lysin, Histidin
 nicht essenzielle Aminosäuren

 Glycin, Alanin, Prolin, Asparagin, Glutamin, Asparaginsäure, Glutaminsäure, Selenocystein

semi essenzielle Aminosäuren 

Cystein, Tyrosin, Serin

Eiweiß spielt eine große Rolle im Körper. Dieser ist mit einem ewigen Auf und Abbau mit Zellen beschäftigt und ist somit auf eine Zufuhr von Proteinen angewiesen, damit wichtige Funktionen fortlaufen können . 
Eiweiße kommen in Tierischen sowie in pflanzlichen Lebensmittel vor und auch Vegetarier müssen nicht zwangsläufig zu Tierischen Produkten greifen.

Eiweißlieferanten
 Tierisch   Pflanzlich
Fleisch (bitte nur gegart) 
Fisch (bitte nur gegart)
Eier (in allen Formen und Farben)
Milch und Milchprodukte

Sojaprodukte
Hülsenfrüchte
Getreide und Getreideprodukte

Fette

 

Unter dem Begriff Lipide (Fette) versteht man verschiedene Verbindungen.  Die im Nahrungsfett am häufigsten Vorkommende Lipide sind die Neutralfette. bei diesen hängen an einem Teilchen Glycerin drei Fettsäuren. Cholesterin kommt bspw nur in Tierischen Fetten vor. Fette sind wichtige Träger von Geschmacks-, fettlöslichen Vitaminen und Aromastoffen. 
Mit der Nahrung aufgenommene Fette dienen der Energieversorgung und als Energiespeicher. So vermag der Körper überschüssige Energie in der Leber zu Fett umzubauen und diese dann als Depotfett im Unterhautfettgewebe zu speichern. Eine gewissen menge an Unterhautfett ist nötig und auch wichtig, allerdings können zu viele Fetteinlagerungen zu Stoffwechselprobleme führen. Sollten die Unterhautfettspeicher übersättigt sein, lagert der Körper Fette an Organen ein und am diesem Punkt wird es dann wirklich kritisch für die Ratte.

gesättigte Fettsäuren  Palmitinsäure und Stearinsäure
diese beiden Fettsäuren kommen u.a. in
Fleisch und Wurst vor
 einfach ungesättigte Fettsäuren

 Ölsäure
vorkommen unter anderem in Raps und Olivenöl

mehrfach ungesättigte Fettsäuren

Linolsäuren - Sonnenblumenöl und Rapsöl
Linolensäure - Lein-,Raps- und Walnussöl
Eicosapentaensäure und die Docosahhexaensäure
kommt vor in Fischölen

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate werden auch als Saccharide bezeichnet. Sie sind aus den Elementen Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff zusammengesetzt. Kohlenhydrate kann man anhand der beteiligten Baustoffe in unterschiedliche Gruppen einteilen. Neben den Einfach-, den Zweifachzuckern und den Oligosacchariden - drei bis neun Zuckerbausteine - gibts auch die Vielfachzucker die aus mindestens 10 Bausteinen bestehen. 

Pflanzen bilden Zucker durch Photosynthese mit Hilfe von Sonnenenergie. Aus den Zuckermolekülen bauen sie dann Stärke auf. Ebenso wie das tierische Glykogen besteht Stärke aus zahlreichen miteinander verknüpften Glucose-Bausteinen. Tierische Lebensmitteln enthalten Kohlenhydrate in wesentlich geringeren Mengen als pflanzliche, da Tiere, wie Menschen auch, ihre Energie vorwiegend in Form von Fett speichern. Neben dem Glykogen, das der Körper in den Muskeln und der Leber lagert, findet sich auch in der Milch ein Kohlenhydrat:
Lactose - der Milchzucker.

Im Körper werden Kohlenhydrate vor allem als Energielieferant, Energiespeicher und als Bestandteile der DNA/RNA genutzt. In ihrer Funktion als Energielieferant wirken sie je nach Dauer ihrer Aufnahme unterschiedlich auf den Blutzuckerspiegel. Langkettige, komplexe Kohlenhydrate können als gesünder eingestuft werden als die Einfach- oder Zweifachzucker, da sie den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen lassen. Als Maßgabe für die Geschwindigkeit des Blutzuckeranstiegs durch die Aufnahme von Kohlenhydraten können der glykämische Index bzw. die glykämische Last herangezogen werden. Komplexe Kohlenhydrate wie Stärke, Glykogen und darüber hinaus auch Ballaststoffe wirken zudem stark sättigend.

Unterteilung nach Funktion:

  • Nicht-Strukturkohlenhydrate: Dienen der Energiegewinnung und Speicherung
  • Strukturkohlenhydrate: Stützsubstanzen

Chemisch unterteilt werden die Kohlenhydrate in:

Einfachzucker oder Monosaccharide

  • Glucose oder Traubenzucker, seltener Dextrose
  • Fructose oder Fruchtzucker
  • Ribose: Teil der Ribonukleinsäure (RNA)
  • Desoxyribose: Teil der Desoxyribonukleinsäure (DNA)
  • Galactose oder Schleimzucker

Zweifachzucker oder Disaccharide

  • Saccharose oder Rübenzucker, Rohrzucker (Glucose + Fructose)
  • Lactose oder Milchzucker (Glucose + Galactose)
  • Maltose oder Malzzucker (Glucose + Glucose)

Dreifachzucker oder Trisaccharide

Vielfachzucker oder Polysaccaride

  • Stärke
    • Amylose
    • Amylopektin
  • Cellulose
  • Glykogen: Energiespeicher in Muskeln und Leber
  • Chitin: Stützsubstanz des Exoskeletts der Gliedertiere
  • Fruktane: Weiteres Speicherkohlenhydrat in Pflanzen
  • Pektine

Cyclodextrine

 

(Text teilweise kopiert von www.ernaehrung.de)

Soweit also schon einmal die wichtigsten  Nährstoffe erklärt. Ein normal arbeitender Organismus benötigt also diese drei  Nährstoffe, um einigermaßen rund zu laufen. 

Ratte und Mensch

Omnivor bedeutet grob "Allesfresser", unter diesem Begriff fallen Menschen wie auch Ratten und diverse andere Tiere. Der Blinddarm bei der Ratte, ähnlich wie bei vielen Pflanzenfressern, ist zu einer großen Fermentationskammer ausgebildet. 

"Außerdem besitzen Ratten als Säugetiere eine physiologische Ähnlichkeit mit dem Menschen. So sind diese, wie der Mensch, Omnivoren, also Allesfresser. Ratten besitzen die Fähigkeit ihren Futterkonsum zu kontrollieren. Aus diesem Grund kann ihnen Futter ad libitum bereitgestellt werden. Vorsicht geboten ist bei Temperaturabfall, da dieser den Futterkonsum stark erhöht.
Trotz anatomischer Unterschiede des Verdauungstraktes zwischen Ratten und Menschen sind diese, bezogen auf die Verdaulichkeit von Energie, Protein, Fett und nicht aus Stärke stammender Polysaccharide, ein geeignetes Modell für Diätstudien. Da Ratten bezogen auf deren Körpermasse einen höheren Energiebedarf als Menschen haben, resultiert daraus ein erhöhter Nahrungsbedarf und eine schnellere Darmpassage. Dadurch können weniger Nährstoffe resorbiert werden, was aber durch den Verzehr des eigenen Kotes (Koprophagie) ausgeglichen wird. Jedoch wird dies bei bedarfsgerechtem Futter kaum beobachtet. Ein  weiterer anatomischer Unterschied zum Menschen ist das Fehlen einer Gallenblase. Galle fließt also kontinuierlich in das Duodenum und kann im Gegensatz zum Menschen nicht konzentriert werden. Dies könnte sich negativ auf die Fettverdauung auswirken, besonders bei großen Fettmahlzeiten. " - Text aus der Dissertation von Menhofer D - 2014

Ketose

"Hungerstoffwechsel ist ein anderes Wort für Ketose. Das liegt daran, dass sie nach einem längeren Hungerzustand eintritt. Allerdings gelangt der Mensch auch dann in Ketose, wenn er nur wenige Kohlenhydrate (unter 50g/Tag) zu sich nimmt. 

Normalerweise ist das Gehirn zur Energieversorgung auf Glucose angewiesen. Diese gewinnt der Körper primär aus Kohlenhydraten. Tatsächlich kann der Körper auch zugeführte Proteine (zu rund 50%) und Fette (zu rund 10%) in Glucose umwandeln. Dies ist allerdings nicht besonders effizient und schon bald greift der Körper auf Glykogen -die Speicherform der Glucose - aus Muskeln und Leber zurück." (Text von www.urgeschmack.de/was-ist-ketose/ )
Er verstoffwechselt sich, quasi von innen heraus selbst.

Eine übermäßige Aufnahme von Protein kann die Ketose allerdings wieder lahmlegen, da es zu Glucose umgewandelt wird, um es für schlechte Zeiten einzulagern.

Da Ratten einen 3 mal schnelleren Stoffwechsel als wir Menschen haben, brauchen sie eben auch, in Relation zu ihrem kleinen Körper, viel mehr an "Brennstoff".

 

Was heißt das nun für meine Ratte?

Schauen wir uns die tägliche Futtergabe einer normal gehaltenen Ratte einmal genauer an und analysieren auf den nun bekannten Fakten.
Es ist gemeinhin üblich der Ratte einmal am Tag eine überdurchschnittliche Menge an Gemüse und Obst zukommen zu lassen. Stellt sie doch eine tolle Abwechslung zu dem Körnerfraß da, der mit einem Löffelchen am Tag pro Tier legitimiert wurde. Sprich, um dem schnellen Stoffwechsel gerecht zu werden, frisst die Ratte eben den halben Teller Gemüse leer und der Rest wird gebunkert, da man ja erst am nächsten Tag wieder ein Löffelchen Körner pro Ratte bekommt. Mit etwas Pech sind es auch noch 3/4 Kräuter und Blüten.
Der Ernährungsplan für 3 bis 4 Tiere sieht also wie folgt aus: 

  • 1 Tomate, aufgeschnitten in Scheiben
  • 1 halbe Gurke
  • 1 Gelbe Paprika
  • 1 halbe Zucchini
  • 1 Möhre 

Zwei mal die Woche gibts dann:

  • Ei
  • Thunfisch
  • Würmchen
  • Hüttenkäse

Ihr merkt also, basierend auf den Fakten die ich euch geliefert habe, auf was ich hinaus möchte.
Gemüse ist toll und auch ein guter Lieferant an wichtigen Vitaminen. Aber Ratten sind keine Kaninchen.
Bekommt die Ratte nun mehr "kohlenhydratarme" Nahrung vorgesetzt, ist die Ketose vorprogrammiert. 
Das Tier frisst und frisst und frisst, scheint ja alles in Ordnung zu sein, aber in Wirklichkeit verstoffwechselt es sich selbst.

Jetzt gibt es aber auch die andere Fraktion, die meinen, Ratten brauchen täglich Protein und Frisches.
Schauen wir uns oben den Abschnitt "Ketose" nochmal an, es wird schnell klar, dass eine kohlenhydratarme Ernährung mit zu viel Protein, und dabei ist egal, woher es kommt, die Ketose ausbremst und alles was gespeichert werden kann, wird in Form von Fetten gespeichert. Die Tiere nehmen also kontinuierlich zu, dabei bekommen sie doch nur Gemüse!

Aber was ist den nun richtig?

Körnerfutter, sprich Kohlenhydrate in ausreichender Menge. Sprich, immer zur Verfügung, so dass es erst gar nicht zu einem Absturz in die Ketose kommen kann. Im Körnerfutter kann eine kleine Menge an Protein in Form von Erbsenflocken oder auch Mehlwürmern hinzugegeben werden. Sollte man das Gefühl haben, es reicht nicht, kann man gerne noch einmal die Woche ein Ei nachreichen oder auch diverse Insekten. Nochmal, Protein kann nicht eingelagert werden. Also bitte keine Angst davor.

Gemüse allenfalls 2 x die Woche. Das reicht! 

Meine Tiere wachsen hier komplett ohne Gemüse auf und bekommen allenfalls mal Dill oder Basilikum als Leckerchen dazu. Wenn man aus einem guten Gefühl heraus täglich Frisches geben möchte - man will ja auch verwöhnen - so tut dies bitte in Maßen. Pro Tier reichen zwei Tomatenscheibchen oder auch ein Schnitz Gurke völlig aus.

Mehr muss und soll es nicht sein.

 

Ganz interessant ist auch der Aspekt, dass Jungtiere im Wachstum, die mit viel zu viel Grünfutter ernährt werden, in der Entwicklung zurück bleiben. Sie haben gegenüber gleichaltrigen, normal ernährten Ratten ein größeres Milzwachstum, Vergrößerte Organe und leiden unter Mickerwuchs.

Alles Faktoren, die man nicht unterstützen möchte.


Auch ein sehr Interessanter Beitrag könnt Ihr hier lesen:

https://heaven-and-hell-rattery.weebly.com/falsche-fuumltterungfrischfutter.html


 

Quellen:

www.heimtierwissen.de

http://rattenzauber.de/

Kleffner H. (2008): Literaturstudie über die Verdaulichkeit von Energie und Nährstoffen bei wilden carni- und omnivoren Säugetieren als Grundlage für Energiewertschätzungen im Futter, Dissertation, München
Menhofer D. (2014): Glukosemetabolismus und Ketoseinduktion unter low-carbohydrate/high-fat-Diäten in der Ratte: Was bewirkt eine Modulation des Fett-zu-Protein-Verhältnisses? 

https://www.urgeschmack.de/was-ist-ketose/